Donnerstag, 6. November 2014

Schule fürs Leben - Puppenschule in der Nachkriegszeit - Doll school of the post-war era




Nun ist es tatsächlich fast schon wieder ein Jahr her, dass ich zuletzt gepostet habe.
Aber das Leben als berufstätige Mutter mit drei Kindern, Hund, altem Haus und Garten lässt mir leider viel zu wenig Zeit für mein Puppenstubenhobby. Ab und zu nehme ich mir aber einfach die Zeit und heute ist so ein Tag, ich habe unverhofft frei.
Die Schule spielt ja nun auch in meinem realen Leben wieder eine große Rolle, ich finde mich dreimal in der Woche in kleinen Schulbänken neben zappeligen Erstklässlern wieder. Nun sind wir heute in der glücklichen Lage, auf die besonderen Bedürfnisse mancher Kinder einzugehen und ihnen die bestmögliche Förderung und Betreuung  zu geben und genau das ist mein Job.

Long time no see- it's almost a year since I wrote my last posting. Sorry, but my life as a working mum with three kids, a dog, an old house and a garden doesn't leave me too much time for my dollhouse-hobby.
But sometimes I just need some time for myself  and today a got an unexpected day-off.
School is a big part of my life again, I'm sitting on small school desks beside a bunch of wriggly first-graders three times a week. Nowadays we are lucky to be able to gear to the special needs of disabled children and to give them the best assistance and care - and that's my job.



In den Nachkriegsjahren sah das anders aus. Es gab nicht viele junge Lehrer, der Krieg hatte auch hier etliche Leben gefordert und Neuausbildung von Lehrern fand während der Kriegsjahre kaum statt. Dazu waren viele Schulen durch die Kampfhandlungen zerstört und unbrauchbar. Das führte dazu, dass Schulen im Mehrschichtbetrieb belegt waren, die eine Hälfte der Kinder kam vormittags und die andere nachmittags. Ältere Lehrer, die eigentlich schon in Pension waren, wurden wieder ans Lehrerpult gestellt. Die Klassen waren voll, die mittlere Klassenstärke in der Volksschule betrug 44 (!) Kinder. Es wurde auch klassenübergreifend unterrichtet, also mehrere Jahrgänge zusammen.

In the years after WW2 it was totally different. There weren't much teachers at all due to the lost of lifes during the war and the lack of education in these years. School buildings were often destroyed. Sometimes school buildings were used by two shifts of pupils, one half came in the mornings and the other half in the afternoons. Retired old teachers came back to the teacher's desk. There were a lot of kids in one class room, the average number of pupils was about 44 in these years! The education was across classes, different age groups were teached together.

Dagegen herrscht in der Puppenschule, die ich euch heute zeigen möchte, die reinste Idylle. Es gibt lediglich 6 Schulbänke, mehr als 12 Püppchen hätten also keinen Platz. Der Lehrer ist alt, schaut aber sehr freundlich aus seinem Erna-Meyer-Puppengesicht. Die Schulkinder sind eine bunte Mischung aus den üblichen einfachen Puppenstubenpüppchen dieser Zeit.
Die Schule bekam ich vor einiger Zeit von der lieben Frau M. quasi als Zugabe zu einem riesigen Puppenhaus, das ich euch auch bald zeigen möchte.
Das Gehäuse und die feste Einrichtung mit den Schulbänken  ist möglicherweise schon älter, es wurde jedoch in den 50er Jahren neu tapeziert und gestrichen.
Teilweise habe ich die Utensilien wie Schautafeln, Landkarte und Schulhefte ergänzt, die Puppen stammen ebenfalls aus meinem Bestand.

Contrary to the real circumstances at the time my doll school looks quite idyllic.
There are only 6 school desks, which means there's just enough room for 12 dolls. The teacher is pretty old, but looks real friendly. The "pupils" are a mixture from all different types of dolls from the 50s ( and 60s, maybe). I got this little schoolhouse from a very kind lady from which I bought an  interesting dollhouse (hope to show you soon!).
The casing and the implemented school furniture was probably made before WW2, but it was definitely renovated and got new wallpapers in the 50s. I added some of the posters and the black board and the exercise books. The school casing came without any dolls, they are all out of my stock.


Die Deutschlandkarte an der Wand stammt aus dem Jahr 1955. Bemerkenswert finde ich , dass hier die bereits vollzogene Teilung Deutschlands fast völlig ignoriert wird,
Es gab zu dieser Zeit bereits eine feste Grenze mit 5km-Sperrgebiet, Schutzstreifen und Grenzzaun, die streng bewacht wurde, noch waren aber Grenzübertritte für Verwandte möglich und einfacher als in den folgenden Jahren. "Die verstärkte Abriegelung wurde am 18. Juni 1954 mit der Anordnung über die Neuregelung der Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und Westdeutschland formell geregelt" (Zitat aus Wikipedia)
Auf unserer Karte hier gibt es aber noch ein  "Groß-Deutschland", in den Bereichen des ehemaligen Ostpreußens sowie Pommern und Schlesien erscheint lediglich ein dünner blauer Schriftzug "unter polnischer Verwaltung".
Die Karte stammt aus einem Schulbuch von 1955, offensichtlich war man mit dem Verlauf der Geschichte nicht einverstanden.....

The map of Germany that you can see is printed in 1955. Remarkably there is almost no sign of the division in East and West Germany! At this time the border was already built with a 5 kilometer restricted zone and protective strip which was heavily guarded. Visits of relatives on the other side of the border were still possible, but in the follwing years it became a lot more difficult to get the permission. Since 1954 the efforts of interdiction increased.
On our map here you can still see "Greater Germany" , even the former german areas East Prussia, Pomerania and Silesia are only marked with a small blue imprint " under polish administration"
The map is a part of a scholl book from 1955, obviously they didn't agree with the historical progress....


In diesen Tagen nähert sich zum 25. Mal der Jahrestag des Mauerfalls und ich würde mir wünschen, dass auch die heutigen Schüler möglichst viel über die Zeit der Teilung Deutschlands wissen, um solche Ereignisse zukünftig zu verhindern .
Für heute ist die Geschichtsstunde aber beendet :-)

In these days the 25th anniversary of the fall of the Berlin wall  (and the complete innergerman border) is coming and I wish that the pupils of today can learn a lot about the time of the division of Germany to prevent such incidents in future.
But for today the history lesson is over ;-)


Nachtrag:  Da mich dieses Thema mit der Karte sehr neugierig gemacht hat, habe ich noch ein bisschen geforscht und bei Wikipedia  folgende Aussage gefunden:

Auf amtlichen Karten und in Schulatlanten[4][5] war bis zur Neuen Ostpolitik der sozialliberalen Koalition Willy Brandts weiterhin und stärker markiert[6] als die politischen Nachkriegsgrenzeninnerdeutsche Demarkationslinie und Oder-Neiße-Linie – die „Ostgrenze des Deutschen Reiches vom 31. Dezember 1937“ (Stichtagsgrenze[7]) eingezeichnet. Im Hinblick auf den damaligen Vorbehalt späterer gesamtdeutscher und friedensvertraglicher Regelung bestanden trotz der Ostverträge keine völkerrechtlichen Bedenken, wenn die alten Grenzen des Deutschen Reiches auf amtlichen Karten auch eingezeichnet wurden.[8] Hinsichtlich der früheren deutschen Ostgebiete konnte die Bundesrepublik nach Abschluss der Ostverträge jedoch nicht mehr geltend machen, dass die effektiv ausgeübte polnische beziehungsweise russische Staatsgewalt illegal sei,[9] oder es rechtlich oder politisch einen Anspruch auf Rückgabe gebe. Unbeschadet dessen bestand „außerhalb des Bereichs, in dem die Bundesrepublik ihre Gebietshoheit ausüben darf, statusrechtlich deutsches Staatsgebiet, in dem fremde Staaten zwar ihre Gebietshoheit durchgesetzt, aber doch (wegen der [fortbestandenen] Viermächterechte und des Friedensvertragsvorbehalts) noch keine volle territoriale Souveränität erlangt [hatten]“

Postscript: i was very curious about this "wrong" map and so I found some explanations. I'm not able to translate it, but it says that it was very common in the post-war Germany to demand on  the illustration of the borders of 1937, even when it was absolutely clear that there was no right of practising the authority of state.
This ended in the era of Willy Brandt in the late 60s.